Agenda

Luis Camnitzer
Cortesía ° Mit der freundlichen Genehmigung von Daros Latinamerica AG, Zürich

A dónde ir

Premiere am 22., auch 23. und 24. April

los santos inocentes / Das Fest der Unschuldigen Kinder
Regie: Heidi und Rolf Abderhalden / Mapa-Teatro
Hallesches Ufer 32, 10963 Berlin, www.hebbel-am-ufer.de

Das vor 25 Jahren gegründete Mapa-Teatro ist eine der bekanntesten kolumbianischen Gruppen und zugleich ein alternatives Kulturzentrum im Herzen von Bogotá, in dem sich politisches Engagement und künstlerische Praxis sehr kenntlich kreuzen. Das Regieduo setzt dabei nicht nur auf bildmächtige, poetische Inszenierungen, sondern auch auf dokumentarische Projekte, die politische Ent- und Verwicklungen mittels Video und musikalisch-szenischer Installationen auf die Bühne bringen.

In Koproduktion mit dem HAU entsteht „Los Santos Inocentes“ über das „Fest der unschuldigen Kinder“ am 28. Dezember in Guapi, einer Stadt in der zwischen Guerilla, Paramilitärs und Regierung heiß umkämpften Pazifikregion Cauca, die hauptsächlich von Afrokolumbianern bewohnt wird. Die Menschen dort haben systematische Vertreibungen der örtlichen Bauern miterlebt und Einschüchterungsversuche durch Einzelexekutionen oder Massaker. Das ursprünglich katholische Fest, das an den Kindermord von Bethlehem erinnerte und sich über die Jahrhunderte in Spanien und Lateinamerika karnevalesk wandelte, scheint sich in Guapi auch zu einer ritualisierten Verarbeitung der grausamen Bürgerkriegserfahrungen transformiert zu haben: grotesk maskierte Männer, oft als Frauen verkleidet, peitschen in den Straßen alles aus, was ihnen begegnet. Frauen schließen sich zur Jagd auf Männer zusammen, um für das Jahr ‚abzurechnen’. „Kein Fest ohne Feind” lautet das Motto des Santos-Inocentes-Tages in Guapi.

Fiktion und Wirklichkeit, Wahrheit und Lüge, Fest und Massaker: Das Mapa-Teatro recherchiert in den musikalischen Traditionen und Bilderwelten der Region und kreuzt Marimbaklänge und Geisterbeschwörungen mit den freiwilligen Selbstbezichtigungen brutaler Paramilitärs, den jüngsten Kriegszeugnissen aus Kolumbien.

22. bis 30. April

la buena vida/the good life & six acts
Videoinstallationen von Carlos Motta

Der 1978 geborene kolumbianische Videokünstler Carlos Motta lebt in New York und untersucht seit einigen Jahren unter dem Titel „The Democracy Circle“ das Konzept der Demokratie unter verschiedenen sozialen und politischen Perspektiven. Für den ersten Teil dieser Reihe, „La Buena Vida“, hat er zwischen 2005 und 2008 in zwölf lateinamerikanischen Städten mehr als 360 Interviews mit Menschen aller Bevölkerungsschichten geführt, die er zum Verhältnis von Demokratisierungsprozessen in ihren Heimatländern und der interventionistischen US-Politik in der Region befragt hat. Dabei kam ein weites Spektrum überraschender Einschätzungen heraus, das im HAU 1 präsentiert wird. Sein neuestes Projekt entsteht im März 2010 in Bogotá: Für „Six Acts“ werden während des aktuellen kolumbianischen Wahlkampfs sechs Darsteller unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft auf öffentlichen Plätzen der Hauptstadt historische

24. bis 26. April

Sobre algunos asuntos de familia. el autor intelectual / Familienangelegenheiten
Regie: Jorge Hugo Marin/ La Maldita Vanida

Was die eben gegründete Truppe des 1981 geborenen Regisseurs und Autors Jorge Hugo Marin aus Medellín da regelrecht daheim ins Wohnzimmer gestellt hat, grenzt an ein kleines Theaterwunder: Nicht nur sitzt man als Zuschauer draußen im Hof und schaut sich das gesamte Stück wie ein fast zufälliger Voyeur durch das Veranda-Panoramafenster an, sondern drinnen agieren auch fünf herausragende junge Schauspieler mit einem so präzisen und zugleich unprätentiösen Realismus, dass ihre tragikomische Geschichte bald zur eigenen zu werden droht. Im Haus ihrer bettlägerigen Mutter treffen die Geschwister Nora, Jorge und Sergio zusammen, um darüber zu beraten, wer die Alte fortan bei sich aufnehmen muss. Die Entscheidung fiele vielleicht leichter, lebten die drei nicht in völlig unterschiedlichen sozialen Verhältnissen und hätten die beiden Brüder nicht ihre Ehefrauen dabei, welche sich standhaft weigern, die Verantwortung für den Pflegefall zu übernehmen. Ein Zusammentreffen, das intelligent und mit abgrundtiefem Humor die dunkle Seite einer dysfunktionalen kolumbianischen Familie enthüllt…

26. April im Instituto Cervantes Berlin

Los informantes / Die Informanten
Buchvorstellung und Lesung mit Juan Gabriel Vásquez

„Die Informanten“ (2004) von Juan Gabriel Vásquez gilt als einer der wichtigsten kolumbianischen Romane der vergangenen 25 Jahre. Das nun auf Deutsch erschienene Buch führt zurück in die Schattenjahre des Landes unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und handelt davon, wie familiäre Spannungen eine ganze Gesellschaft zerrütten können und umgekehrt: eine leidenschaftliche Geschichte vom Verrat im privaten und öffentlichen Raum, eine Zeitreise in eine verdrängte Periode der kolumbianische Geschichte und zugleich ein Zeugnis davon, wie das Vergessen die Gegenwart vergiftet.

In Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes und dem Verlag Schöffling & Co.

Mo 26.04.10, 18 Uhr

”La cámara oscura“

Beim „16. Jewish Film Festival Berlin“ (25.04.-06.05.10) wird u. a. auch der Film “La cámara oscura“ (ARG 2008, 86 Min., OmeU) von María Victoria Menis gezeigt. „1892 verlassen russisch-jüdische Immigranten in Buenos Aires ein Schiff. Noch auf dem Landungssteg, kurz vor dem Dock, bringt eine Frau ein Mädchen zur Welt. So beginnt dessen Leben als Außenseiterin. (…) La cámara oscura ist die schmerzhaft schöne, nachdenkliche Zeichnung jüdischer Immigranten, die sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in der Pampa Argentiniens niederließen. Villa Clara, wo der Film spielt, wurde 1890 in der Provinz Entre Ríos erbaut, einer von mehreren landwirtschaftlichen Siedlungen von Maurice de Hirschs Jewish Colonization Association of Paris.

28. und 29. April

La mirada del avestruz / Der Blick des Vogel Strauß
Choreografie: Tino Fernández/ L’Explose

Tino Fernández hat sich mit seiner Anfang der 90er Jahre gegründeten Compagnie „L’Explose“ zum wichtigsten Exponenten der kolumbianischen Tanztheaterszene entwickelt, der auf vielen internationalen Festivals gastiert. „La Mirada del Avestruz“ entstand bereits 2002 – in jenem Jahr, als nach dem letzten großen Anlauf einer nationalen Aussöhnung und den gescheiterten Friedensverhandlungen mit den FARC der Hardliner Uribe an die Macht kam. Die Arbeit gilt nach wie vor als der direkteste Kommentar Fernández‘ zur kolumbianischen Gegenwart, in der er mit seinen Tänzern ebenso poetische wie verstörende Bilder für die Gewalt, den Dauerkrieg und die Resignation fand. Wie der Vogel Strauß bei Gefahr den Blick nach vorne verweigert und seinen Kopf in den Sand steckt, versuchen die Individuen, sich in die Reste ihrer malträtierten Intimität zurückzuziehen. Einem Totenacker scheint die erdbedeckte Bühne zu gleichen, doch anstatt sich still begraben zu lassen, versuchen die Tänzer aufzubegehren, in mitunter rohen Ritualen von Widerstand und Wiedergeburt.

30.04.-10.09.10

”Litho/gráfica Berlin“

Lithographieausstellung argentinischer bildender Künstler. Teilnehmer: Gustavo Amenedo, María Helena Arbuco, Silvana Blasbalg, Silvia Brewda, Carlos Carmona, Adriana Cimio Torres, Elena Dotta, Ana Eckell, Ana Erman, Gabriela Esterovich, Charito Estrada, León Ferrari, Mariana Guerrero, Cristina Hauk, Renate Levy, Teresa Magrane, Jorge Meijide, Silvia Plumari, Guillermo Roux, Silvia Sanjurjo, Sara Slipchinsky und Eduardo Stupia. In der Botschaft der Republik Argentinien, Ausstellungsraum, Kleiststr. 23-26, 4. Etage, 10787 Berlin. Öffnungszeiten: M-F 10-16 Uhr. Tel.: (030) 2266-8922, www.embargent.de

Bis 30.05.10

Sonderausstellung "The Complete METROPOLIS"

„Die Ausstellung erzählt die Geschichte der künstlerischen Vision und der gigantischen Produktion von METROPOLIS. Entlang acht zentraler Schauplätze des Films werden vielfältige Quellen und Originalobjekte präsentiert. Ein Ausstellungsteil veranschaulicht den aktuellen Restaurierungs-prozess.“ Die neue Versión von METROPOLIS wurde durch das Auffinden einer unveröffentlichten Filmrolle der Fritz Lang Fassung im Museum Pablo Ducros in Buenos Aires möglich. In der Deutschen Kinemathek, Filmhaus am Potsdamer Platz, Potsdamer Str. 2, 10785 Berlin. www.metropolis2710.de

29. April bis 2. Mai

Kibbutz Contemporary Dance Company, Ga’aton, Israel
29th, 30th April and 1st May, 20h00, KraftWerk
2nd May, 18h00, KraftWerk
In the Black Garden (world premiere)
60Hz (German premiere, new version for the Movimentos Festival Weeks 2010)

Internationally the Kibbutz Contemporary Dance Company is one of Israel’s most pre-eminent dance ensembles and has influenced the style of many young choreographers. In addition to the group’s strong physical presence, Rami Be’er’s clear yet profound and poetic productions have captivated audiences world-wide. Be’er has been the company’s Artistic Director since the 1990s.
Following on from their first Movimentos appearance in 2006, the company will be performing a work especially commissioned for the Movimentos Festival Weeks 2010. This work draws on the festival theme of “Mut und Demut” (courage and humility). www.movimentos.de

6. bis 9. Mai

Quasar Companhia de Dança, Goaîana, Brazil
6th, 7th and 8th May 2010,
20h00, KraftWerk
9th May 2010, 17h00, KraftWerk
Céu na Boca (Up in the mouth) (European premiere)

The Quasar Companhia de Dança had its origins in the early ‘80s group, Grupo Energia. It was founded in 1988 by former ballerina Vera Bicalho and the choreographer Henrique Rodovalho who together turned it into an independent dance ensemble. The company incorporates elements from dance-theatre and melodrama. Using references to the world of the circus and sport, it creates a contemporary urban aesthetic which has won world renown. “Céu na Boca” (2009) is a light-hearted and energetic choreography dealing with the contradiction and extremes of paradise and reality, using music that ranges from contemporary electronic compositions to Big
Band music from the ‘50s. www.movimentos.de